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Die große Küchenblockade von 2012

4. August 2012
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Ich komme nicht mehr in unsere Küche. Da ist ständig jemand.Der Plan ja war eigentlich, jetzt endlich wieder ordentlich Gas zu geben. Bildlich gesprochen, wir haben ja einen Gasherd. (Aua.) Die Liste meiner „Muss ich einmal ausprobieren“-Rezepte wird immer länger, mittlerweile trage ich die Gerichte sogar schon im Kalender ein, damit ich sie nicht aus den Augen verliere. Auch die Motivation war wieder da, trotz der kleineren Fehlschläge der letzten Zeit. (Danke der Nachfrage, die Brandblasen sind alle verheilt, und es riecht in der Küche auch nicht mehr nach Rauch.)Das Letzte, woran ich mich jedoch erinnern kann, waren seine Worte: „Die Hummersaison hat begonnen!“ Und ab da hatte ich dann wieder sehr viel Zeit fürs Heimwerken.

 

Zum besseren Verständnis: Wir sind nicht Krösus, und das mit dem Lottogewinn ist erst für nächsten Dienstag geplant. Wir zelebrieren die Hummersaison also nicht, weil wir sonst nicht wüssten, wohin mit unserem Geld. Sondern weil wir hier gelernt haben, uns (noch mehr) nach dem saisonalen Angebot zu orientieren. Und jetzt ist eben Hummersaison, da sind sie besonders gut und besonders günstig. Nicht geschenkt, aber wer bereit ist, für das, was er in seinen Körper tut, auch gerechtfertigtes Geld auszugeben, anstatt sich ein Auto oder eine Nespresso-Maschine zu halten, für den ist der Preis erträglich.

Und wir essen ihn ja nicht jeden Tag. Gestern beispielsweise hatten wir keinen.

Hinzu kommt, dass Paris derzeit im Ferien-Dornröschenschlaf liegt. Wer einem jetzt im Weg steht, sind Touristen, die Augen starr auf ihren Stadtplan geheftet. Die Regierung ist auf Urlaub, viele Restaurants machen Sommerpause, und der Gatte arbeitet jetzt nicht mehr von 8 bis 8, sondern nimmt sich hin und wieder sogar ein Wochenende frei.

Gleichzeitig werden durch das verregnete Frühjahr viele Sommerklassiker erst jetzt reif, sodass wir vom Markt derzeit Fisolen (Bohnen), Karotten und Tomaten in allen möglichen Farben heimschleppen.

Gestern habe ich zum ersten Mal frische Mandeln gegessen, worauf ich a) in Deutschland und b) ohne Bolli, die alles immer so einfach klingen lässt, nie gekommen wäre.

Lecker das Zeug, aber nichts für Menschen mit kurzer Aufmerksamkeitsspanne.

Wie gesagt, „Die Hummersaison hat begonnen“, seither muss ich meine Küchen-Experimente außerhalb der abendlichen Rushhour durchführen.

Nicht, dass ich mich beschweren will. Ich habe in den vergangenen Tagen bekommen: Hummer mit Lavendelsauce, Hummer mit Vanillesauce, Eierschwammerl/Pfifferlinge mit Vanillesauce (es war noch welche vom Hummer übrig, weshalb wir kurz überlegt haben, dass die ökonomischeste Lösung wäre, einfach noch einen Hummer zu kaufen – aber dann wurden es doch die Pilze), Selleriepürée mit Lakritzsauce (bis vorgestern war ich kein besonderer Fan von Lakritze), Karotten in Karottensaft gekocht – und immer wieder diese unglaublich feine, vielschichtige klare Consommé, die man jetzt langsam nach dem Gatten benennen müsste.

Und während er ganze Nachmittage in der Küche verbringt, weil ihn das entspannt, kümmere ich mich eben um die praktischen Seiten des Kochens.

Ich weiß, nicht die Lösung, die Messerflüsterer bevorzugen, aber immerhin kugeln sie jetzt nicht mehr in einer Schublade herum.

Erdbeeren in Käfighaltung. (© Peter Glaser)

Nächstes Baumarkt-Projekt: eine Abdeckung fürs Vogelbad, die alles bis zu Amselgröße durchlässt, und bei Tauben in hämisches Gelächter ausbricht.

Hin und wieder lenke ich jedoch den Gatten mit einem „Schau! Da! Neue Hummerrezepte!“ ab und flitze hinter ihm in die Küche. Deshalb gab es beispielsweise gestern zu Mittag Marillenknödel. Es waren meine allerersten, und ich wollte sie schon seit Tagen ausprobieren, weil einem derzeit in jedem Foodblog damit der Mund wässrig gemacht wird. Doch jedes Mal, wenn ich sie fürs Abendessen vorgeschlagen hatte, grätschte der Gatte mit einer neuen Gemüseorgie dazwischen.

Schlussendlich war ich so heiß auf die verdammten Knödel, dass sie gestern Mittag einfach sein mussten. Zur Wahl standen Brandteig und Topfenteig, aber Topfenteig muss vier Stunden ruhen, und wer kann schon vier Stunden auf Marillenknödel warten?

Sagen wir so: Ich freue mich schon auf den Versuch mit Topfenteig. Der Brandteig ist nämlich irgendwie fehlgeschlagen. Die Teighülle war auch nach dem Kochen immer noch … cremig. Was sie, glaube ich, nicht sein sollte. Derzeit schiebe ich alles auf das französische Mehl (Herr Plachutta schreibt in seinem Kochbuch glattes Mehl vor, in Frankreich gibt es einfach nur: Mehl), andererseits ist Österreich wohl das einzige Land, in dem glattes Mehl überhaupt existiert. Es gibt also noch die winzigkleine Möglichkeit, dass ich etwas falsch gemacht haben könnte.

Dabei war ich so stolz auf meine Idee, mangels Würfelzucker den Zucker einfach per Trichter in die Marillen zu füllen. (Für Menschen, die meinen IQ teilen, an dieser Stelle ein wichtiger Hinweis: Halten Sie dabei die Marillen unten zu.)

Immerhin waren wir nach je zwei Knödeln mehr als satt. Was im Rezept für zwölf Stück vorgesehen war, reichte bei mir gerade mal für sechs …

Was allerdings auf Anhieb geklappt hat, war ein Cheese Cake auf der Basis von Brillat-Savarin – eine Kreation von einem unserer neuen Lieblingsköche, Greg Marchand, der hier in Paris das Restaurant Frenchie und die Frenchie Wine Bar betreibt.

Das hier ist der Rest, den vier Personen übrig gelassen haben. (Ich hatte nur ein Stück!)

Hier ist das Rezept, falls jemand sein Französisch auffrischen möchte.*) Und seit wir in seiner Wine Bar essen waren, besitze ich sein Kochbuch, in erster Linie, um seine adorablen pots de crème au chocolat (quasi Schokopudding) nachzukochen, die den hiesigen Crackdealern sehr bald das Leben schwer machen werden.

Wir halten derzeit bei zwei Versuchen, die vermutlich aufgrund von leichter Improvisation bei den Zutaten noch nicht ganz ans Original herangereicht haben. Sobald ich den Dreh heraußen habe, wird man’s bis Leipzig hören.

Heute Abend gibt’s übrigens wieder: Hummer. Allerdings auswärts.

*) Übersetzung folgt demnächst in den Kommentaren, mir geht leider langsam der Strom aus.

8 Kommentare leave one →
  1. 4. August 2012 17:07

    Glattes Mehl? Brandteig habe ich schon zu DDR-Zeiten gemacht. Und da gabs garantiert kein glattes Mehl, sondern wie in Frankreich einfach Mehl!

  2. 5. August 2012 17:32

    Die Regel bei Brandteig besagt, dass die ersten 3 Versuche grundsätzlich in die Hose gehen; es hat also nicht an Ihnen gelegen, oder am Mehl. Wobei Versuche mit Dinkel- und Vollkornmehl, egal welcher Nationalität, den Fortgeschrittenen vorbehalten bleiben sollten.

    Bleiben Sie dran, Sie schaffen das!

    • 5. August 2012 17:51

      Das heißt, auch wenn ich nicht genau weiß, was ich falsch gemacht habe, klappt er dann beim vierten Mal? Wieso steht das nicht beim Rezept dabei?

      • 5. August 2012 18:41

        So ist es. Und das ist doch immer noch die besser als die Unmengen Rezepte, die einmal klappen und dann nimmermehr. (Hat denn bei Ihrer Nachkochliste ein Rezept jemals die Chance hat, ein zweites Mal zum Zuge zu kommen?)

      • 6. August 2012 10:44

        Doch doch! Oft koche ich Sachen sogar dann noch einmal, wenn das erste Mal nicht so toll war. Weil ich mir immer denke, ich hätte etwas falsch gemacht.

        Frau Ziiis Huhn zumindest findet hier jedenfalls regelmäßig statt.

  3. 9. August 2012 13:03

    Ja beim ersten mal geht vieles schief😀
    grundsätzlich würde ich auch mindestens 2 mal etwas ausprobieren

  4. 27. Dezember 2012 14:06

    Marillenknödel in Brandteig habe ich noch nie gehört. Ich kenne nur Topfenteig und Kartoffelteig. Letzterer ist der einfachste, finde ich. Man muß zwar erst Kartoffeln kochen und auskühlen lassen, aber der Teig läßt sich am einfachsten zu Knödeln formen.

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