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Eine kleine Zeitreise in die Sechziger Jahre …

27. Februar 2013
Blanquette de veau

Gleich vorab die Bitte um Entschuldigung, weil es hier so ruhig ist. Dummerweise muss ich etwas arbeiten (bitte die erste Silbe völlig übertrieben betonen und dabei die Handfläche theatralisch zur Stirn führen).



Hin und wieder komme ich auch zum Kochen, nur eben leider nicht zum Bloggen. Wird sehr bald besser, versprochen! (Aktuelle Missgeschicke gibt es laufend auf Facebook, und zwar eine ganze Menge davon.)

Allerdings hat mich heute etwas ein wenig aus meiner Arbeitsklausur herausgerissen. Ich muss kurz ausholen:

Seit ich versuche kochen zu lernen, plagen mich hin und wieder Selbstzweifel, ob man damit als moderne Frau nicht ein mittelschweres Zeichen der Rückschrittlichkeit setzt. Kochen war für mich lange verbunden mit der Assoziation „Heimchen am Herd“. Meine Mutter hat uns Schwestern nicht den Umgang mit einer Pfanne beigebracht, sondern den mit einer Bohrmaschine. Ich finde das bis heute ziemlich cool von ihr. Unsere Küchenmaschinen haben wir von ihr vermutlich auch eher des Maschinenaspekts wegen bekommen.

Hin und wieder ist es mir also ein wenig peinlich, wenn ich auf die Frage, was ich denn so in meiner Freizeit mache, antworte: „Ich versuche kochen zu lernen.“ Das vergeht aber schnell wieder.

Gleichzeitig weiß ich ohnehin, dass ich mir da etwas einrede. Viele meiner schicksten, trendigsten Freundinnen können kochen und machen sich nicht ins Hemd, dass sie deshalb weniger ernst genommen werden oder die Emanzipation um Jahrzehnte zurück werfen könnten.

Und wer in einem Land wie Frankreich lebt und mit all den wunderbaren Dingen, die hier angeboten werden, nichts anzustellen weiß, tut mir mittlerweile ohnehin leid.

Mit diesem kleinen inneren Konflikt im Hintergrund stolpere ich heute also über die Kolumne „Wochenmarkt“ des Leben-Magazins der ZEIT. Und muss dort lesen:

So passt der Rosenkohl zu Lamm, Ente und Wild, falls es darum geht, einen Ehemann mit einem richtigen Essen zu beglücken. Für ein nettes Abendessen mit sich allein reicht vielleicht auch der Rosenkohl.

Mein erster Gedanke war, dass es sich um einen Archiveintrag aus den Sechziger Jahren handelt. Mein zweiter, dass die Kollegin in der Nacht zuvor etwas zu lange Mad Men gesehen und noch nicht wieder aus dem damaligen Gedankengut aufgetaucht war. Mein dritter, dass es traurig ist, wenn die ZEIT jetzt wunderbarerweise immer mehr Frauen in Führungspositionen holt, diese Fortschrittlichkeit aber dann von den Kolleginnen innerhalb der eigenen Reihen mit einem kleinen Absatz völlig konterkariert wird.

Es ist nicht das erste Mal, dass ich mich über etwas aufrege, das diese Kollegin verfasst hat. Sie schrieb vor gut einem Jahr Dinge über die Pariser Restaurantszene, die für jemanden, der seit Jahren selbige Szene mehr als fleißig frequentiert, ziemlich überraschend kamen. Ich hoffe, sie war überhaupt schon einmal in Paris.

Diese beiden Sätze in der aktuellen Kolumne finde ich allerdings absolut jenseitig, gestrig, überholt. Meine Großmutter ist leider nicht mehr unter uns, aber ich glaube, nicht einmal ihr wäre so etwas überhaupt noch in den Sinn gekommen.

Vielleicht kann jemand der Kollegin die Systemuhr ihres Computers auf das aktuelle Datum stellen? Wir schreiben das Jahr 2013.

 

Der große Gulasch Cook-Off of 2013 (mehr dazu später)

Der große Gulasch Cook-Off of 2013 (mehr dazu später)

French toast (streng genommen eher ein Scheiterhaufen) nach Smitten Kitchen

French toast (streng genommen eher ein Scheiterhaufen) nach Smitten Kitchen (Klick aufs Bild führt zum Rezept)

Tarte au citron nach Jacques Genin

Tarte au citron nach Jacques Genin (Klick aufs Bild führt zum Rezept)

Blanquette de veau

Blanquette de veau

10 Kommentare leave one →
  1. 27. Februar 2013 17:15

    Liebe Frau Neudecker, ich bin da grundsätzlich ganz bei Dir, mir geht die Hutschnur hoch bei solchen Formulierungen. Und doch birgt das ganze Thema auch gewisse Gefahren, ähnlich wie in der Diskussion zwischen Voll- und Teilzeitmüttern.
    Es geht nämlich dann doch irgendwie beides.

    Ich koche mit großer Lust nicht nur FÜR meinen Mann, sondern auch oft IHM ZULIEBE. Auch nach langen arbeitsreichen Tagen. Ich schmiere ihm sogar noch Brote fürs Büro, bringe im den Kaffee ans Bett und stehe dafür sogar früher auf. Aus lauter Liebe. Und weil ich es einfach besser kann (bis auf die Sache mit dem Kaffee, aber geschenkt) Dafür erwarte ich, dass er mir Gardinenstangen aufhängt, den Ofen anschließt und Fußleisten verlegt. All das kann ich auch irgendwie aber halt nicht so gut (schnell) wie er. Und zu manchen Dingen habe ich auch einfach keine Lust, da koche ich lieber. Dafür bemühe ich den Schneider, wenn ich auch nur einen Knopf angenäht haben möchte. Und genau wie bei Mad Men (oder Dallas) begrüße ich ihn gerne mit den Worten „Liebling, wie war Dein Tag?“, sogar wenn ich nach ihm nachhause komme.

    Ich mag den Aspekt des Kümmerns, das ist schon alles. Und wir alle sollten uns viel mehr um unsere Lieben (und andere) kümmern, das haben wir vielfach verlernt. Und wenn dann noch Frauen(!) daher kommen wie Deine Kollegin, machen sie es „uns anderen“ noch viel schwerer. Wir (ich) werde dann nämlich als Reaktion auch despektierlich betrachtet und das verletzt mich. Ich bin eigenständig und -willig genug, um dass ich diese Verwöhnnummer gerne mache. Mit den Dingen, die ich am besten kann. Dazu gehört das Kochen und mein beständiger Wunsch, meinem Mann Freude zu bereiten.

    Das ist jetzt (zu?) weit ausgeholt, aber mir liegt dieses leidige Thema schon lange auf der Seele. Nichtsdestotrotz unterschreibe ich bei Dir jedes Wort. Aber es ist halt trotzdem kompliziert…

    • 27. Februar 2013 17:36

      Beim Verwöhnen und Gefallentun bin ich voll bei dir. Aber ich finde, dass man so etwas öffentlich nicht auf diese Weise formulieren kann. Sie schreibt nicht von ihrem Mann, sondern von einem allgemeinen etwaigen Ehemann.
      Und dass Mädchen nur Gemüse essen, ist wieder ein Klischee, das zu ihrer unmöglichen, ebenfalls rückschrittlichen Trinkerkolumne passt, in der sich die Frauen immer auf Cocktails getroffen haben, um sich dann bald angeschickert über etwaige Kandidaten und wieso die nicht anrufen, den Kopf zu zerbrechen. Diese Haltung hat man schon Sex and the City angekreidet und das ist schon 15 Jahre her.
      Ganz abgesehen davon: einen Ehemann?? beglücken? Muss man heutzutage laut ihrem Weltbild also doch wieder heiraten?

  2. 27. Februar 2013 17:25

    Möglicherweise ist ja weniger der „Heimchen-am-Herd“- Aspekt gemeint, sondern mehr die „Buben-wollen-immer-Fleisch-und-Mädchen-essen-viel-vernünftiger“-Geschichte?

    Es geht nichts über Qualitätsschubladen!

  3. 27. Februar 2013 18:20

    nee, ich sag ja. Weit ausgeholt und ich verabscheue Aussagen wie die Deiner Kollegin. Wollte nur das andere auch mal loswerden 🙂

  4. 27. Februar 2013 19:17

    Ich verstehe die Aussage so wie du. Ein tapferer (Ehe-)Mann hat sich ein gutes Stück Fleisch verdient und wenn frau allein isst, hat sie sich gefälligst mit ein wenig Rosenkohl zu begnügen. Incroyable! Wenn ich so etwas lese, sträuben sich mir sämtliche Nackenhaare und ich finde das hat mit „Kümmern“ überhaupt nichts zu tun (ich koche und mache den kompletten Haushalt für Herr H., habe dafür aber auch derzeit die Freiheit, nicht für Kröten buckeln zu müssen. Aufgabenteilung. Und ich kann sowohl Bohrmaschine bedienen, Fahrrad reparieren, als auch -einigermaßen ;-)- kochen und ich mache das alles gleich gern). Aber es wird wohl leider noch einige Jahr(zehnt)e dauern, bis wir uns vom Patriarchat verabschieden dürfen…

  5. 28. Februar 2013 11:07

    Ich liebe Kochen (und den Mitkoch). Und Fleisch. Der Mitkoch liebt Kochen (und die Küchenschabe). Er hingegen hätte lieber öfter Gemüse. Er wäscht bei uns ab. Ich bügle. Soviel zu den Rollenklischees 🙂

  6. 1. März 2013 18:32

    Ist es nicht ein Jammer, dass wir uns in der heutigen Zeit über solche Dinge überhaupt noch unterhalten müssen.

  7. Daniel permalink
    20. März 2013 12:42

    Interessante Sichtweise in beiden Fällen. Wie soll denn umgekehrt ein Mann Ihre Äußerung „Seit ich versuche kochen zu lernen, plagen mich hin und wieder Selbstzweifel, ob man damit als moderne Frau nicht ein mittelschweres Zeichen der Rückschrittlichkeit setzt. Kochen war für mich lange verbunden mit der Assoziation “Heimchen am Herd”.“

    Wenn ich das mal (etwas übertrieben) seziere führt das also zu folgender Situation: Die Frau kocht nicht weil sie so emanzipiert ist und der Mann kocht nicht, weil er es nicht kann, nicht will, …

    Umgekehrte Frage: Darf der Mann dann erwarten dass Sie die Bohrmaschine in die Hand nehmen, die Gardinenstange aufhängen, sich um die Reparatur der Technikteile kümmern etc…

    Liebe Damen, BEVOR man auf so etwas anspringt bitte ich doch mal die eigenen Ansprüche und das eigene Weltbild zu überprüfen. Komischerweise kommen nur Aussagen was man denn bitte NICHT mehr tun möchte. Ja was nun, soll das ganze im Rollentausch enden? Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass das nicht zu Ende gedacht ist.

    Es ist wie so häufig, jeder weiß was er nicht (tun) möchte. Aber wer soll es denn dann tun?

  8. Buchfink permalink
    15. April 2013 16:20

    Ach wie schade, dass ich hier immer umsonst nach was Neuem schaue. Aber ich habe schön Verstädnis, dass Sie nebenbei auch was arbeiten müssen. Schöne Grüße

    • 15. April 2013 16:32

      Hach, so treue Leut‘! Ich komme bald wieder, versprochen. Vorher muss noch schnell ein großes Projekt fertiggekocht werden!

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