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Zu blöd zum Rühren

25. Mai 2012
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Freud und Leid, Triumph und Niederlage sind beim Kochen manchmal durch wenige Zehntelgrad getrennt. Durch eine entscheidende Prise Salz. Oder durch die Fähigkeit, das Etikett auf einer Gewürzdose richtig lesen zu können. Nachdem ich mit dem ersten genießbaren Huhn einen Triumph erlebt habe, der mich tagelang in Zeitlupe zur Musik von “Chariots of Fire” durch Blumenwiesen springen hat lassen, holte mich kurz danach prompt die Realität ein.

Wir waren zu einer Soirée musicale eingeladen. Der Gatte wollte seine E-Gitarre mitbringen, ich mein selbstgebackenes Sauerteigbrot. Darauf bin ich mittlerweile manchmal richtig stolz. Und manchmal wünsche ich es zum Teufel. Aber das muss ich irgendwann einmal ausführlicher erklären.

Nachdem man ja eine organisierte Frau ist, die mittlerweile ein bisschen Erfahrung mit Brotbacken hat, kann man an einem Brotbacktag lo-cker! auch noch Connis Angebot annehmen, mal eben schnell zu Ikea mitzufahren.

Sagen Sie es nicht! Ich weiß, dass es auf keinem Kontinent dieser Erde einen Ikea gibt, der sich im gleichen Atemzug mit den Worten “mal eben schnell” erwähnen lässt. Selbst, wenn man direkt daneben wohnen würde – was red ich! – selbst, wenn man IM verdammten Ikea selbst wohnen würde, wäre das nicht möglich! Schließlich räumen die den Hunderter-Sack Teelichte jedes Mal woanders hin.

Aber nein, wir fuhren “mal eben schnell” zu Ikea. An einem Freitag Nachmittag. Über den Boulevard périphérique in Paris.

Es war derselbe Tag, an dem ich meine neue Küchenmaschine bekommen hatte. Die alte war meinen Brotteigen nicht mehr gewachsen, nicht einmal jenen, die man als vorschriftsmäßig bezeichnen hätte können. Und weil wir ja abends eingeladen waren, war für ein krankes Gehirn wie meines die naheliegendste Idee, mit der neuen, unbekannten Maschine vor dem Start zu Ikea einfach gleich die 1,3fache Brotteigmenge zu machen: ein großes Brot zum Mitbringen, ein kleines für uns. Ich überschlug die Menge grob im Kopf und kam zu dem Ergebnis: Das packt die Maschine schon.

Haben wir schon über meine Begabung für Mathematik gesprochen oder nur über meinen Orientierungssinn?

Ich mache es kurz: Das Brot wurde selbstverständlich nicht fertig. Genausowenig wie die Küchenmaschine mit den Teigmassen. Was nicht so schlimm war. Ich hatte beim Würzen in der Hektik nämlich Kreuzkümmel erwischt statt Kümmel.

Die Teigunmengen kamen am nächsten Tag in den Ofen, blieben jedoch massiv wie meine bereits legendären Zucchinimuffins. Wie schön, dass wir jetzt 2,5 Kilo hermetisches Kreuzkümmelbrot im Tiefkühler haben.

Beim nächsten Backversuch passte ich bei den Gewürzen auf wie ein Haftelmacher. Dafür war ich etwas großzügiger beim Sauerteig, damit man das Brot nicht wieder zum Fenster-Abdichten verwenden konnte. Das Ergebnis?

Immer noch massiv, dafür diesmal mit einem eindeutigen Sauergeschmack. Sagen wir so: Wenn ich Tauben nicht so abgrundtief hassen würde, hätten die hier für die nächsten Jahre genug zu fressen.

Das Brot war übrigens für unsere Champions-League-Soirée gedacht, zu der wir vergangenen Samstag geladen hatten. Pardon, wäre gedacht gewesen. Ich bin zwar rechtschutzversichert, aber bei fahrlässiger Körperverletzung helfen einem nicht einmal die.

An diesem Abend wollte ich auch noch einen Kartoffelsalat machen. “Wie servieren wir den?” fragte der Gatte. “Die Marinade soll sich ja nicht mit meinen Frikadellen vermischen.” “Ach, das wird schon gehen”, antwortete ich. “Sollen die Leute halt aufpassen, dass sie nicht zu viel Marinade mit auf den Teller tun.”

Seine Sorgen waren unbegründet. Ich habe die Kartoffeln nämlich wieder einmal zu Brei gekocht, und eine ähnliche Konsistenz hatte dann auch der “Salat”. Ich kann nämlich nicht einmal Kartoffeln kochen.

Und auch die Susi-Torte, die es als Dessert gab, geriet nur suboptimal, weil ich – trotz immerhin 25 Jahren Backerfahrung – offensichtlich noch immer nicht richtig umrühren kann. Es waren nämlich beide Teigspachteln im Geschirrspüler, weshalb ich zum ersten Mal Eischnee mit einem simplen Löffel unter den restlichen Kuchenteig heben musste. Eine offensichtlich unbewältigbare Herausforderung. Ich bekam den Teig nämlich nicht ordentlich durchgemischt, ein Teil der Schokolade blieb in der Mitte der Schüssel kleben, und die Susi-Torte wurde deshalb ein wenig weich.

Man sagt mir, es wäre niemandem aufgefallen. Aber man ist ja auch verheiratet mit mir. Und man muss es vielleicht wirklich positiv sehen: Auf diese Weise verschafft einem diese Torte keinen sofortigen Herzinfarkt, sondern man kann vorher wenigstens noch fertigessen!

Unnötig zu erwähnen, dass ich das zweite Dessert, Mark Bittmans unbeschreiblich genialen Milchreis, viel zu spät in den Ofen geschoben habe, weshalb er trotz Verlängerung und Elfmeterschießen nicht rechtzeitig fertig geworden ist.

Wer hier jetzt einen Freudschen Fehler vermutet, verursacht durch meine unbewusstes Verlangen, den Milchreis mit niemandem teilen zu müssen, der … dem … der soll das Rezept erst einmal ausprobieren. Dann reden wir weiter.

Morgen steht die nächste Soirée an. Song Contest, selbstverständlich. (Kleiner Einschub: Wer ORF (Zweikanalton) oder FM4 empfangen kann, MUSS sich den unbedingt von Christoph Grissemann und Dirk Stermann kommentieren lassen. Aber sorgen Sie besser für eine gute Unterlage. In absolut jedweder Hinsicht.)

Unsere morgigen Gäste bekommen diesmal übrigens nur einen Gatten-Kartoffelsalat. Sicherheitshalber. Und aber doch wieder eine Susi-Torte. Diesmal habe ich ordentlich umgerührt.

Der gebackene Tortenboden, auf den dann die Creme gefüllt wird. Beides übrigens ein und dieselbe Masse. Der perfekte Mord.

Und gerade ruht auch der nächste Brotteig. Diesmal wieder nach dem Sicherheitsrezept. Die selbstgebackenen Grissini (aus Nicole Stichs Buch) sind schon fertig.

Heute hatte es in Paris übrigens 30 Grad. Intelligente Menschen stehen an solchen Tagen vermutlich auch nicht andauernd am Ofen.

2 Kommentare leave one →
  1. 26. Mai 2012 13:25

    Hahah, vielleicht als Anfänger nicht gleich mit Sauerteigbrot anfangen. ;-) Dieses Rezept ist narrensicher – http://kochtopf.twoday.net/stories/1-basisrezept-12-weitere-rezepte-das-brotback-projekt-geht-weiter/.

  2. Anja V permalink
    1. Juni 2012 00:40

    Sobald es Richtung 35 Grad geht mal eine ordentliche Einkochsession machen! Marmeladen und so…

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