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Wie ich einmal drei Mal versuchte, weißen Nougat zu machen

3. Januar 2012
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Eine fixe Idee fängt immer ganz harmlos an. 

Ich bin mir sicher, dass jeder Leiter einer geschlossenen Anstalt diese These bestätigen kann. Napoleon wollte als Schulkind sicher auch erst einmal nur die zweite Hälfte von seinem Pult.

Eine meiner fixen Ideen (da gibt’s einige) ist es, weißen Nougat (Torrone) selbst herzustellen. Es fing auch bei mir ganz harmlos an, in diesem Fall mit einem Gastgeschenk. John und Vicky kamen zu Besuch und brachten eine Packung von dem Zeug mit. Ich weiß nicht mehr, ob es der berühmte französische Montélimar-Nougat war, aber das ist auch egal. Er war wunderbar.

Normale Menschen würden jetzt sagen: Na eh super, kann man ja gottseidank jederzeit im Supermarkt kaufen, wenn man Lust drauf hat.

Normale Menschen würden das auch tun.

Andere haben irgendwo eine Fehlschaltung im Gehirn (die dereinst ein hochbezahlter Therapeut aufzulösen haben wird), die in ihnen die Idee festsetzt, den Stoff selbst zu fabrizieren. Es hat vermutlich mit einer sehr logischen Form des Belohnungsprinzips zu tun. Man will/soll/darf ja nicht so viele Süßigkeiten essen, deshalb muss man sie sich hart erarbeiten, weil erst dann darf man. Und man sucht ja auch nur nach einem funktionierenden Rezept, um zu Weihnachten endlich etwas Selbstgebasteltes verschenken zu können. Ausreden, Ausreden.

Erfreulicherweise gibt es im Internet Spuren von hunderten anderen, die auch nicht den einfachen Weg in den Supermarkt gehen wollen.

Mein erster Versuch sah so aus:

Wenn Sie das freundlicherweise mit dem Wiki-Bild weiter oben vergleichen möchten, werden Sie sehen, dass zwischen beidem nicht einmal ein Funke von Übereinstimmung besteht. Das Rezept hatte ich von chefkoch.de, wo ich es jetzt leider nicht mehr finde, um überprüfen zu können, ob der Rezept-Autor einen an der Waffel hatte oder ich. Ich weiß ja, dass ich oft phänomenal danebenhaue, aber man erkennt zumindest immer, was es hätte werden sollen.

Der zweite Versuch folgte den Angaben auf einem meiner Lieblingskochblogs, delicious:days. Die Küche sah danach so aus:

Kochlateralschäden.

Bei der Zubereitung von weißem Nougat braucht man nämlich, ebenso wie beim Herstellen selbstgemachter Pasta, mindestens drei Hände. Besser vier. (Und einiges an Muskelkraft, wenn der Pariser Supermarkt Ihres Vertrauens keine gehackten Mandeln führt.) Zuerst wird Eischnee geschlagen, dann wird Honig gekocht und langsam in den Eischnee gerührt. Dann werden Zucker und Zuckersirup bis zu einer bestimmten, alles entscheidenden Temperatur gekocht und ebenfalls langsam in den Eischnee gerührt.

In diesem Stadium wandert die Masse dann gern die Rührbesen hinauf und lässt sich von dort ganz praktisch über die gesamte Küche verteilen. Oder die Rührschüssel beginnt sich aufgrund der Konsistenz des Schnees selbstständig zu machen, was die Zielgenauigkeit von wegen dem flüssigen Zucker doch einigermaßen beeinträchtigt. Da man aber gleichzeitig nicht ums Verrecken mit ebenjenem glühendheißen Zucker in Berührung kommen will, geraten die Ausweichmanöver fallweise ein wenig unkontrolliert.

So, aber, das Ergebnis!


Optisch und geschmacklich war das schon ein ziemlicher Knaller. Es hatte diese Süße, die beim ersten Bissen fast schon ein bisschen weh tut, aber auf der Stelle süchtig macht.

Habe ich gerade “aber” geschrieben?

Das Problem, das auch bei delicious:days diskutiert wird, liegt in der Festigkeit des Nougats, respektive ihres Nichtvorhandenseins. Weder Kühlschrank noch Tiefkühler konnten die Masse in einen einigermaßen schnittfesten Block verwandeln, den man in transportfähige Würfel zerteilen hätte können. Musste ich also alles alleine essen.

In den Kommentaren bei delicious:days postete allerdings eine Gina eine weitere Variante des Rezepts, in der vor allem stand, dass man die Eischneemasse rund 20 Minuten lang weiterschlagen muss, damit sie nach dem Auskühlen fest wird.

Ergo der dritte Versuch.

Ja, ich finde auch, dass dies schon ziemlich gelungen aussieht. Vor allem auch, weil ich in der Zwischenzeit A4-große Oblaten bestellt hatte, die das Handling der Masse durchaus einfacher gestalteten. Jedenfalls: Festigkeit? Klassenziel erreicht. Geschmack? Hm, wie soll ich’s sagen. Dieses wunderbare Zucker-k.o. von Versuch Nr. 2 fehlte. (Was normale Menschen wiederum als Vorteil sehen würden.) Außerdem kann man diese Version blöderweise transportieren und deshalb von anderen Menschen aufessen lassen. Absolutes Minus.

Bevor ich die Versuchsreihe weiterführen konnte, haben sich leider mein Internist und mein Therapeut zusammengetan und mir bis auf Widerruf weitere Experimente untersagt. Mein Personal Trainer findet das sehr schade. Ich auch. Denn irgendwie ist mein Ehrgeiz gerade wieder erwacht …

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9 Kommentare leave one →
  1. fräuleinneudecker permalink
    5. April 2012 22:01

    Schweres Understatement. Ihr weißer Nougat ist super und ja, andere Menschen wollen ihn aufessen! Wir fordern weitere Experimente!

  2. hamouda permalink
    2. Mai 2012 18:11

    wie ist das rezept???????????

    • 2. Mai 2012 19:08

      Das Rezept des 3. Versuches steht sozusagen in den Kommentaren bei delicious:days. Und dorthin gibt’s einen Link bei der Schilderung des 2. Versuches. Viel Glück!

  3. Cornelia permalink
    4. Juli 2012 09:24

    Also Frau Neudecker, dafür dass Sie so überhaupt nicht kochen können, sind Sie aber bemerkenswert gut ausgestattet … Eine GN 1/0 und einen abgeschnittenen Schneebesen habe ich noch in keinem Dilettantenhaushalt gesehen. Aber andererseits, wenn das Equipment stimmt, kann es im Ergebnis nur förderlich sein. Der Nougat sieht übrigens ziemlich gut aus, muss schon sagen …

    • 4. Juli 2012 09:36

      Ich habe eine GN 1/0? Super! … Was ist eine GN 1/0?

      Der Schneebesen wurde übrigens vom Gatten angeschafft. Er findet, mit dem kann er seine Mayonnaisen viel besser rühren. Ich setze mir währenddessen dann immer die Schallschutzkopfhörer auf, weil diese Teile einen Höllenwirbel machen. Und die kleinere Variante von dem Ding (die wir selbstverständlich auch haben mussten) hat schon zwei Kugerln verloren. Drei Mal darf man raten, in wessen Essen die dann wieder aufgetaucht sind …

      • Cornelia permalink
        4. Juli 2012 11:33

        Bei der GN 1/0 handelt es sich um diese Edelstahlwanne, in die Ihr die Nougatmasse gebettet habt. – Man muss einfach vor dem Essen einen Finderlohn für Edelstahlkugeln aussetzen, das schützt a) vor schweren gastroenterologischen Eingriffen und b) davor, dass die Gäse ihr Essen unaufmerksam runterschlingen.
        Und Glückwunsch zur GN!

      • 4. Juli 2012 11:50

        Ah! Das ist eine GN 1/0! Wieder was gelernt – vielen Dank!

  4. Tina permalink
    24. Oktober 2014 19:24

    Ich irrte in den Weiten des Internets herum, auf der Suche nach einem Rezept für Nougat. Da fand ich diese Seite und ich finde sie köstlich. Vielen Dank für diesen Bericht! Das gewünschte Rezept habe ich zwar nicht gefunden (ich wollte “normales” Nougat machen, nicht das weisse), doch nun weiss ich wenigsten wie ich es angehen soll- ich kaufe mein Nougat im Supermarkt.

    • 25. Oktober 2014 14:07

      Vielen Dank für das Lob! Ja, das ist immer so eine Pendelbewegung zwischen Selbermachenwollen und Vernünftigwerden. Derzeit droht mir dieser Zustand beim Wurstmachen. Aber da reden wir weiter, wenn ich die erste zuhause nachgebaut habe …

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